Zukunft sichern, Wachstum ermöglichen: Strategien für Gewerbeflächen im Märkischen Kreis

Zukunft sichern, Wachstum ermöglichen

Strategien für Gewerbeflächen im Märkischen Kreis

Unter dem Titel „Wirtschaft braucht Raum“ kamen Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammen, um über die Zukunft der Gewerbeflächenentwicklung im Märkischen Kreis zu diskutieren. Im Fokus standen dabei neue Strategien für knappe Flächen, regionale Kooperationen und eine nachhaltige Standortentwicklung.

Spannende Impulse gaben unter anderem (von links) Christian Schweitzer, Jochen Schröder, Stefan Baumann, Ralf Geruschkat, Michael Joithe, Kirsten Staubach, Engelbert Schulte, Dominik Geyer, Daniel Sieveke, Marcel Krings und Ralf Schwarzkopf.
Foto: Stefan Nickel, SIHK zu Hagen

Im Alten Casino am Sauerlandpark in Hemer wurde schnell klar: Im Märkischen Kreis geht es beim Thema Gewerbeflächen längst nicht mehr nur um freie Quadratmeter, sondern um die Zukunft eines industriestarken Standorts. Am 20. Januar 2026 kamen unter dem Titel „Wirtschaft braucht Raum – Zukunft der Gewerbeflächenentwicklung im Märkischen Kreis“ Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden zusammen, um über Strategien zu sprechen, die Wertschöpfung, Beschäftigung und Transformation vor Ort sichern können.

Landrat Ralf Schwarzkopf betonte in seinem Grußwort gleich zu Beginn, warum die Diskussion zur Standortfrage wird. Der Märkische Kreis sei industriell geprägt, gleichzeitig schrumpften die kommunalen Reserven und ein Teil der Flächen, die in Statistiken auftauchen, sei kurzfristig nicht nutzbar. Gerade die vielen mittelständischen Unternehmen, die nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern vielerorts auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Transformation. Schwarzkopf plädierte für transparente Abwägungen, aber mit klarer Kante: „Verzicht auf Entwicklung ist keine Lösung.“

Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, rief zu Kooperationen und einem konstruktiven Miteinander zwischen Kommunen, Verwaltungen, Unternehmen, Bezirksregierung und seinem Ministerium auf.
Foto: Stefan Nickel, SIHK zu Hagen

Einen starken Impuls setzte anschließend Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen. Er warb für mehr Selbstbewusstsein der Region, die zu den industriestärksten Räumen Europas gehört. Zugleich unterstrich er die Bedeutung von Kooperationen, zwischen Kommunen, Verwaltung, Unternehmen, Bezirksregierung und Land, da Lösungen in diesem Spannungsfeld nur im konstruktiven Miteinander entstehen können.

Bedarf trifft Realität: Gewerbeflächenentwicklung unter neuen Bedingungen

Wie komplex die Lage in der Praxis ist, zeigte Dominik Geyer von der Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH. Der Flächenbedarf stehe einer begrenzten Verfügbarkeit gegenüber, während Planungs- und Entwicklungsprozesse häufig mehr als zehn Jahre beanspruchten. Neben maßvollen Neuausweisungen rückt daher die konsequente Bestandsentwicklung in den Fokus, etwa durch Nachverdichtung, Reaktivierung von Brachen und ein aktiveres Bodenmanagement der Kommunen.

Konkrete Daten aus dem Märkischen Kreis lieferte Marcel Krings (GWS im Märkischen Kreis mbH). Demnach wurden seit 2014 132,2 Hektar verkauft, vor allem an Industrie und verarbeitendes Gewerbe. Der kurzfristig verfügbare kommunale Flächenvorrat sank jedoch bis Ende 2025 auf 50,4 Hektar und konzentriert sich auf wenige Standorte. Brachflächen seien zwar ein wichtiges Potenzial, aber nicht automatisch schnell nutzbar. „Flächenrecycling ist sinnvoll, aber oft mit erheblichen Hürden verbunden“, so Krings.

Die Aktualisierung des Regionalplans Südwestfalen stand im Mittelpunkt des Vortrags von Frank Bendig (SIHK zu Hagen). Er warb für ein Gesamtkonzept, das den Kommunen mehr Handlungsspielraum eröffnet und gleichzeitig die Bedarfe nachvollziehbar abbildet. Ziel müsse es sein, regionale Entwicklung strategisch zu steuern, ohne die Kommunen in zu enge Grenzen zu zwingen.

Interkommunal denken, regional handeln: Projekte aus der Praxis

Aus kommunaler Sicht berichteten Kirsten Staubach (Stadt Hemer) und Stefan Baumann (Stadt Iserlohn), dass beide Städte zunächst auf Optimierung im Bestand setzen, parallel aber auch neue Flächen benötigen. Ein Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit ist das Gewerbegebiet Landhausen, das Hemer und Iserlohn gemeinsam entwickeln möchten. Dass Kooperation auch in größeren Strukturen funktionieren kann, zeigte Jochen Schröder (GWS) am Märkischen Gewerbepark Rosmart, getragen von den Städten Altena, Lüdenscheid und Werdohl, sowie dem Gewerbegebiet Grünewald von den Kommunen Kierspe und Meinerzhagen. Die Erfahrungen aus der Entwicklung machten deutlich, wie wichtig abgestimmte Prozesse, klare Zuständigkeiten und ein langer Atem sind.

Die 80 Teilnehmenden bekamen bei der Konferenz „Wirtschaft braucht Raum – Zukunft der Gewerbeflächenentwicklung im Märkischen Kreis“ im Sauerlandpark Hemer interessante Einblicke.
Foto: Marcel Krings, GWS im MK mbH

Neue Flächenbedarfe treffen auf knappe Spielräume

In der Podiumsdiskussion mit Ralf Geruschkat (SIHK zu Hagen), Christian Schweitzer (Bürgermeister Hemer), Michael Joithe (Bürgermeister Iserlohn), Engelbert Schulte (Geschäftsführender Gesellschafter Schulte Verpackungs Systeme GmbH, Hemer) und Dominik Geyer verdichtete sich schließlich das Bild eines Themas, bei dem die Spielräume kleiner werden, während der Druck weiter wächst. Unternehmer Engelbert Schulte machte deutlich, warum Wachstum und Transformation ohne zusätzliche Flächen kaum möglich sind, und verwies darauf, dass er vor 20 Jahren nach Hemer gewechselt sei, da es dort geeignete Flächen gab. Gleichzeitig skizzierte er den nächsten Schritt seines Unternehmens in Richtung Kreislaufwirtschaft und das dafür erneut Raum benötigt werde. Ralf Geruschkat betonte, dass die Flächennachfrage längst nicht mehr nur aus der Industrie kommt, sondern auch aus den Bereichen Energieinfrastruktur, Rechenzentren und weiteren Standortbedarfen. Weil diese Nutzungen zunehmend konkurrieren, werde der Flächenbedarf eher wachsen als schrumpfen. „Deshalb führt kein Weg daran vorbei, jetzt gezielt neue Entwicklungsspielräume für geeignete Flächen zu identifizieren“, sagte Geruschkat.

Die Veranstaltung zeigte damit eindeutig, dass die Gewerbeflächenentwicklung im Märkischen Kreis längst zu einer strategischen Zukunftsfrage geworden ist. Entscheidend wird sein, Bestandspotenziale konsequent zu nutzen, neue Entwicklungen realistisch vorzubereiten und interkommunale Lösungen weiter auszubauen, damit die Region auch künftig ein leistungsfähiger Wirtschaftsstandort bleibt.